21st Century Orchestra
Und plötzlich erkennt man, dass Hans Zimmer ein Poet ist
Medienbericht / 4. April 2022Luzerner Zeitung

Und plötzlich erkennt man, dass Hans Zimmer ein Poet ist

Was fasziniert die Menschen an Filmmusik – ohne den Film dazu zu sehen? Wir machten uns ein Bild im ausverkauften KKL Luzern, und lauschten.

Filmmusik: John Williams und Hans Zimmer. Grosse Namen: Williams, diesen Februar 90 geworden, erhielt insgesamt fünf Oscars für seine Soundtracks. Der um 25 Jahre jüngere Hans Zimmer erhielt seinen ersten Oscar 1995 für die Filmmusik von «König der Löwen», den zweiten erst gerade für die Musik des Science-Fiction-Epos «Dune». Im KKL Luzern spielt dieser Tage das 21st Century Orchestra & Chorus unter Leitung von Ludwig Wicki gleich viermal die grossen Filmmusiken von Williams und Zimmer.

«The Sound of Hans Zimmer & John Williams» nennt sich das, und das Publikum kommt in Scharen. Der Samstag ist ausverkauft, die weiteren Konzerte sind es nahezu. Und bereits im November 2021 waren für das gleiche Programm alle Tickets verkauft – zweimal.

Wir wollten wissen: Was fasziniert so viele Menschen an Filmmusik, ohne den Film dazu zu sehen? Selbst hatte man bislang John Williams und Hans Zimmer ganz unwissend in einen Topf geworfen – Filmmusik halt, pompös und etwas oberflächlich, so dachte man. Am Samstagabend entdeckt man dann plötzlich seine Liebe für Hans Zimmer und findet ihn einen wahren Poeten des Klangs. Und man lauscht und hört, wie unterschiedlich die Musik dieser zwei Grossen ihres Fachs doch ist. Während Williams auf Sinfonik und orchestrale Arrangements setzt, weckt Hans Zimmer mit farbreichen Klanglandschaften Emotionen. Um diesen wuchtigen Arrangements eines John Williams und der eigenwilligen Poesie eines Hans Zimmer nachzuspüren, sind Dorota Müller (55) und Tonera Petrenka (50) sogar bis aus Bern gekommen. Und beide finden: Ohne Film hört man die Musik viel bewusster – und bekommt Gänsehaut.

Wenn die Orgel zu erzählen scheint

Der Musik von «Star Wars», «Harry Potter» oder «Interstellar» lauschen an diesem Abend Familien, Paare, Freunde. Dank Moderatorin Michèle Schönbächler gibt es zudem noch ein schönes Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach: «Wirklich arm ist nur, wer nie geträumt hat.» Dass Filmmusik – auch ohne Film – die Menschen träumen lässt, beweisen zuletzt die Standing Ovations für Orchester, Chor und den Leiter Ludwig Wicki.

Selber wird man noch eine Weile von Hans Zimmers Suite zu «The Dark Knight Rises» träumen: Vom sanften Piano und vom weichen Cello, von den Geigen mit ihrer Weite, und wie sich all das ineinander fügt. Oder von der Suite zu «Pirates of the Caribbean»: Wie die Orgel plötzlich zu erzählen scheint.

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