Die siebte «Star-Wars»-Episode markierte einen Neuanfang. Das 21st Century Orchestra zeigt die ganze Wucht.
«Star Wars» und das 21st Century Orchestra: ein Stück Heimat. Eine langjährige Freundschaft, ein Ort, an dem sich alle wohlfühlen. Dies ist am Donnerstagabend bei der Premiere des siebten Teils «Das Erwachen der Macht» im KKL nicht anders. Schon beim Eintritt fühlt man sich dem Himmel nahe.
Abgedunkelt, nur blaue und rote Seitenleuchten – fast wähnt man sich in einem Sternzerstörer. Hoch steigt die berühmte Anfangsfanfare. Symphonisch, locker und farbig wölbt sich das Weltall-Dach. Technisch reif und spannungsgeladen. Besser als auf der legendären Originalaufnahme des London Symphony Orchestra von 1977. Unter der Leitung von John Williams wurde damals doch der eine oder andere Musiker von der Komplexität der Eröffnung überrascht. Der fulminante Violinenlauf zum Beispiel wurde in der Höhe immer dünner. Ein Geiger nach dem anderen schien sich auszuklinken.
Psychologisches Kammertheater in der Musik
Es ist ein Heimspiel für das 21st Century Orchestra und ihren Dirigenten Ludwig Wicki. In dieser Welt kennen sie sich aus. Dem Orchester und seiner Raffinesse kommt sicher entgegen, dass die Musik vielschichtiger ist als bei anderen Filmen der gleichen Serie. Grosse Schlachtszenen kommen nur selten vor. Die Handlung und die Kompositionen von John Williams malen mehr die Personen und deren Charaktere als das Kampfgetümmel.
Psychologisch geht in der Partitur einiges ab. So verzichtet John Williams über weite Strecken auf die bekanntesten Themen der ursprünglichen Trilogie. Im Zentrum steht eine grosse, neue Melodie. Dreiteilige Musik, geschrieben für die junge «Rey». Ein leichter Galopp zeigt die Frische und Beweglichkeit der quirligen Frau. Mystische Glockenklänge bespielen die dunkle Vergangenheit und die ungewisse Zukunft der solitären Heldin. Und darüber entwickelt sich Reys Melodie. Harmonisch gleich wie das «Machtthema» wird hier vieles eingespeist und vorweggenommen. Oder der zwischen bös und gut zerrissene Kylo Ren.
Ein Gegensatz, den John Williams – ziemlich unüblich in der Filmmusik – mit gleich zwei Themen zeichnet. Dunkle Linien, die entfernt an Darth Vader erinnern. Rhythmisch pulsierende Noten, welche die innere Unruhe des dunklen Lords in Töne setzen.
Tonspur wird zugunsten der Musik zurückgefahren
Ludwig Wicki lotet diese Vielschichtigkeit geschickt aus. Ihm und seinem Orchester kommt entgegen, dass die Abmischung zwischen Leinwandklang und Live-Musik an diesem Abend recht gut funktioniert. Zwar gibt es immer noch Momente, wo belanglose Geräusche überlaut die gespielten Töne bodigen. Zum Beispiel beim Keuchen des abtrünnigen Stormtroopers Finn. Oder wenn die Rebellen die Starkiller-Basis angreifen und die Streicherbewegungen nur noch optisch präsent sind.
Doch im zweiten Teil wird die Musik klarer in den Vordergrund gerückt, wird der Abend zu einem echten Konzert. Der strahlende Hornklang, als Kylo Ren die Nähe zu Rey entdeckt. Oder der fulminante Angriff des Widerstandes auf dem Planeten Takodana – hier wird die Geräuschkulisse zurückgefahren und ganz der Partitur der Platz überlassen. Das Orchester nützt den Raum und entfaltet teils aufs Schönste die reichen Nuancen der Kompositionen. Stabil im Klangausgleich und lebendig in der Bewegung, kann sich so die ganze Kraft von John Williams Musik entfalten.
© Roman Kühne


















































































