21st Century Orchestra
Musik von Ennio Morricone, der nie mit Hollywood klarkam
Medienbericht / 12. November 2023Luzerner Zeitung

Musik von Ennio Morricone, der nie mit Hollywood klarkam

Ennio Morricone und die Filmindustrie war eine Hass-Liebe. Das 21st Century Orchestra zeigte die verschiedenen Seiten des Meisters.

Ennio Morricone und die Filmindustrie war eine Hass-Liebe. Das 21st Century Orchestra zeigte zum Auftakt seines 25-Jahre Jubiläums die verschiedenen Seiten dieses grossen Meisters. Vertraut und überraschend zugleich.

Es gibt nur wenige Filmkomponisten, die Ohrwürmer am Laufband liefern. John Williams etwa verbindet seinen Ideenreichtum perfekt mit dem Bombast und der Gefühlsseligkeit Hollywoods. Ennio Morricone, der auch dazu gehört, fand sich zeitlebens im Zwiespalt wieder. Zwar lehnte er die ganze Filmindustrie und ihre häufige Oberflächlichkeit ab. Betonte, dass er nur «8 Prozent Westernmusik» geschrieben hätte. Andererseits sehnte er sich nach der Anerkennung Hollywoods. Sechs Mal wurde er für den Oscar nominiert. Erst am Ende seines Lebens erhielt er für den Soundtrack zu «The Hateful Eight» diese Auszeichnung. 2016 – vier Jahre vor seinem Tod.

Ein Meister der Reduktion

Das 21st Century Orchestra und Chorus unter ihrem Gründungsdirigenten Ludwig Wicki bringen am Freitagabend das ganze Spektrum dieses faszinierenden Komponisten ins KKL. Ewige Melodien, fast schon kulturelles Allgemeingut, wie das «Harmonika-Thema» aus «Spiel mir das Lied vom Tod» oder «Chi Mai» aus dem Film «Der Profi». Ein Stück, dass es in mehreren Ländern auf die vorderen Plätze der Singlecharts brachte.

Daneben erklingen unbekanntere Stücken wie «Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger» oder «Die letzte Postkutsche nach Redrock» aus «The Hateful Eight». Mit Behutsamkeit entfalten die Musiker die reduzierten Melodien, die speziellen Klänge und Geräusche. Zwar hätten die Stücke teils etwas mehr Energie und Spiellust vertragen. Das Orchester blüht vor allem gegen das Ende des Konzertes merklich auf. Doch es ist ein schöner Abend, der einen tief eintauchen lässt. Hinein in die wunderbare Musik fern von allem Schwulst. Moderatorin Michèle Schönbächler trägt mit spannenden Zusatzinformationen zum Gelingen bei. Die Zugaben bringen dann quasi die Zusammenfassung des Abends. Zuerst die Titelmelodie des Westerns «Mein Name ist Nobody» mit dem Szene aus dem Film «Spiel mir das Lied vom Tod», für den Ennio Morricone die legendäre Musik schrieb. Zu sehen sind die genialen Protagonisten Charles Bronson (links) und Henry Fonda.

Ennio Morricone im Horrorfilm

Dann ein Stück, dass wohl nur wenige mit des Musikers Namen in Verbindung bringen. «Regan’s Theme» aus dem Horrorfilm «Der Exorzist II». Mit seiner weiten, sehnsüchtigen Melodie, verkleinert auf wenige Töne, ist es dennoch ein klarer Morricone. Und ein letzter Punkt unter das intime, aber reiche Schaffen dieses Könners.

Die weitere Saison des 21st Century bringt eine Mischung aus Altbewährtem und Neuigkeiten. So werden die «Jahrzehntprojekte» «Star Wars» (Teil 7, «Das Erwachen der Macht») im Februar und «Harry Potter» (Teil 5, «Der Orden des Phönix») im März weitergeführt. Weihnachten bringt sieben (!) Aufführungen vom unvermeidlichen «Drei Nüsse für Aschenbrödel». Zwei davon sind ausverkauft. Mehr Spannung verspricht die Aufführung der «Herr der Ringe»-Sinfonie von Howard Shore. Im Jubiläumskonzert wird dieses Werk im Juni erstmals seit 2011 wieder in Luzern zu hören sein.

© Roman Kühne

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