21st Century Orchestra
Standing Ovations für den Löwenkönig
Medienbericht / 21. Februar 2022Luzerner Zeitung

Standing Ovations für den Löwenkönig

Das 21st Century Orchestra feierte mit dem Erfolgsfilm im viermal ausverkauften KKL die Rückkehr in eine Welt, die wieder in Ordnung ist.

Spektakulärer hätte man im KKL die Rückkehr zur Normalität nicht inszenieren können, als mit dieser Aufführungsserie der Disney-Erfolgsproduktion «Der König der Löwen». Alle vier vom 21st Century Orchestra unter der Leitung von Ludwig Wicki live begleiteten Filmvorführungen übers Wochenende waren ausverkauft. Bei der ersten Aufführung am Freitag staunte man, wie selbstverständlich das Publikum zu seinen alten Gewohnheiten und Freiheiten zurückkehrte.

An den erstmals wieder offenen Pausenbars bildeten sich lange Schlangen ohne Sicherheitsabstände. Die einzelnen Masken im Publikum wirkten bereits wieder exotisch. Die Unbekümmertheit, mit der sich die Besucher durchmischten, mochte damit zusammenhängen, dass ältere Risikogruppen untervertreten waren. Von Kindern waren an alle Generationen vertreten, die mit dieser zeitlosen Coming-of-Age-Geschichte sozialisiert und älter geworden sind – vom Zeichentrickfilm von 1994 über den Filmcomic und eine Musicalversion bis zum computeranimierten Remake von 2019.

Stärken und Schwächen des Remakes akzentuiert

Wie das 21st Century Orchestra jetzt diese aktuelle Version (Regie: Jon Favreau) auf Grossleinwand zur Aufführung brachte, sprach ebenfalls alle Generationen an. Angestammte Fans kamen in der Musik von Hans Zimmer auf ihre Kosten, der sich beim Soundtrack für die Neuverfilmung ebenfalls nahe an sein eigenes Original hielt: Wuchtige sinfonische Klanglandschaften lassen einen eintauchen in ozeanische Gefühle, afrikanische Perkussion treibt die Action-Szenen an und koloriert sorglose Urwald-Romantik, mit Afrika-Spirit untermalt vom 21st Century Chorus. Und auch hier setzen sich Songs wie «Hakuna Matata», «Circle Of Life» oder «Can You Feel The Love Tonight» als Ohrwürmer fest.

Nur erklingen auch sie in deutscher Übersetzung. Das macht diese Aufführungen zwar familientauglich. Aber schon Teenager verdrehten die Augen, weil «der Löwe schläft heut Nacht» weniger cool klingt als das Original. Überhaupt macht die Aufführung mit Livemusik Stärken und Schwächen des computergenerierten Remakes deutlich. Die Kampf- und Jagdszenen gewinnen in diesem Realismus an packender Dramatik – und die Wucht des Live-Orchesters spitzt sie im Konzertsaal des KKL noch einmal körperlich erlebbar zu.

Dass die computergenerierte Darstellung der Tiere wie der Natur hier ein neues Niveau erreichte, attestierten dem Remake selbst Stimmen, die die sklavische Nähe zum Zeichentrickfilm kritisierten. Aber dass in diesem Fotorealismus unglaubwürdiger wirkt, dass die Tiere sprechen, wird in der Hybridfassung dieser «live-to-film »-Aufführung deutlich. Im Mix aus der Tonspur und den Live-Klängen vom Orchester wirkten die Gesangsstimmen am künstlichsten und blieben immer wieder – auch auf Deutsch – unverständlich.

Der König ist hier der Dirigent

In den grossen Emotionen allerdings steht das Remake dem Zeichentrickfilm in nichts nach. Gerade in ihnen spielt das Live-Orchester seine stärksten Trümpfe aus. Wenn der Löwenkönig Mufasa seinen vorwitzig-putzigen Sohn Simba mit Blick auf endlose Savannen und den Sternenkosmos in den Kreis des Lebens einweiht, tritt der Orchestersound mächtig über die Ufer.

Zur ausgelassenen Post-Corona-Stimmung passte zudem, dass diese Version nicht nur das Böse – Mufasas neidzerfressenen Bruder Scar – gespenstisch dämonisiert, sondern auch den Humor farbig akzentuiert. Die Wanderjahre, die Simba nach dem Tod seines Vaters mit Pumbaa und Timon im Dschungel unternimmt, sorgten für viele Lacher im Saal.

Dass sich Simba nach diesen Hippie-Jahren auf seine Rolle als Löwenkönig besinnt und die alte Ordnung wiederherstellt, mag heutigen Diversitätsansprüchen nur schwer genügen. Aber es macht diese Geschichte auch zeitlos. Die Wiederherstellung des Lebenskreises feierte das Publikum jedenfalls mit Standing Ovations für das Orchester und Ludwig Wicki. Genau so, wie in der Anfangs- und Schlussszene des Films die Tiere ihren König.

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