Ludwig Wicki hat den Soundtrack zum neuen «The Batman»-Film eingespielt. Und auch schon an früheren Kinohits mitgewirkt.
Dutzende Millionen Menschen haben seine Musik gehört. Von solchen Grössenordnungen können andere Schweizer Dirigenten nur träumen. Der Luzerner Ludwig Wicki hat sie erreicht. Allerdings dürfte den meisten Hörern sein Name nicht bekannt sein. Viele erinnern sich wohl nicht einmal mehr an die Musik. Denn Ludwig Wicki nimmt Filmsoundtracks auf. Oft für Blockbuster, die weltweit ein Millionenpublikum erreichen.
2017 war es zum Beispiel «Jurassic World: Das gefallene Königreich», ein Film mit 45 Millionen Kinogängern. Der Streifen liegt auf Platz 29 der ewigen Besucher-Bestenliste und ist im Fernsehen ein beliebter Dauerbrenner. Aber während die Namen der Schauspielerinnen und Schauspieler, teils auch der Komponisten, prominent im Abspann erscheinen, laufen der Dirigent und seine Musiker nur im Kleingedruckten.
Musiker des London Symphony Orchestra
Dies völlig zu Unrecht. «Bei den Aufnahmen in London habe ich absolute Spitzenmusiker zur Verfügung», schwärmt Ludwig Wicki im Gespräch. «Wenn es drei Trompeten braucht, dann sind es meist die Solotrompeter der dortigen Orchester. Zum Beispiel vom Symphony Orchestra LSO, dem London Philharmonic, Royal Philharmonic und weiteren, die alle zu den Besten der Welt gehören.»
Der Grund: Die dortigen Orchester müssen sich zu einem grossen Teil selbst, ohne Zuschüsse vom Staat, finanzieren. Die Musikerinnen und Musiker sind damit praktisch gezwungen, weitere Einnahmequellen zu suchen. Aber Filmmusik ist für diese mit seiner Aktualität und modernen Symphonik auch eine willkommene Abwechslung.
Heute ist es möglich, den Film mit einer Computer-Version der Musik zu unterlegen. Der Regisseur kann so bereits im Vorfeld seine Änderungswünsche anmelden. Dennoch wird oft bis zur letzten Minute an den Noten gefeilt.
«Die Partitur erhalte ich meist zwei bis drei Tage vor der Aufnahme, und nur als PDF», so Wicki. «Die gedruckten Noten normalerweise am Aufnahmetag.» Die Musiker spielen direkt ab Blatt. Ab der ersten Minute wird aufgenommen. Oft sitzt schon der erste «Take». Aber zur Sicherheit wird immer noch ein zweiter gemacht. Regelmässig werden Änderungen vorgenommen.
Wicki: «Es kommt vor, dass der Komponist plötzlich ein Flötensolo statt Cello braucht. Eine Minute später kommen vom Studio im oberen Stock die neuen Noten und es wird weitergespielt. Alles läuft unter Hochdruck ab. Wir haben zum Beispiel einen super Pianisten. Wenn Komponist Michael Giacchino in ‹The Book Of Henry› etwas mehr im romantischen Stil möchte, dann improvisiert der Pianist, immer den Akkorden und Linien folgend, ein ganzes Klavierkonzert in diesem Stil. Das ist fantastisch.»
Zwischen Kirche und Hollywood
Das Ludwig Wicki die Filmmusik für internationale Blockbuster aufnimmt, ist kein Zufall. Seit 22 Jahren leitet er das 21st Century Symphony Orchestra and Chorus. Er und seine Musiker haben als Erste auf der Welt die Filmreihen «Lord Of The Rings» & «Pirates Of The Caribbean» mit Livemusik im KKL aufgeführt. Zusammen mit den Filmstudios und Soundkomponisten wie Hans Zimmer oder Michael Giacchino wurden die Präsentationen laufend optimiert.
Es entstand eine Technik, die es dem Dirigenten ermöglicht, die Musik zeitgleich zum Film zu dirigieren. «Mit Michael Giacchino, von dem ich unter anderem ‹Star Trek› aufführte, verbindet mich bis heute eine Freundschaft. Wenn er in London aufnimmt, dann fragt er mich immer zuerst.» Inzwischen gäbe es aber auch häufig anderweitige Einladungen, so Wicki:
«In diesem Dezember hätte ich ‹Thor 4: Love And Thunder› aufnehmen können. Doch dies ist die intensivste Zeit in der Hofkirche Luzern.»
Wicki ist dort Stiftskapellmeister. Es ist seine einzige Festanstellung. Alles andere sind Projekte. Würde es ihn denn nicht reizen, ganz auf die Filmmusik zu setzten? Wicki: «Die letzten zwei Jahre war ich natürlich sehr froh, dass die Filmmusik nicht mein einziges Stammbein war. In normalen Zeiten könnte ich wohl davon leben. Aber auch ausserhalb von Corona ist das Filmbusiness sehr launisch. Gibt es ein paar Probleme bei der Filmproduktion, wird alles wieder verschoben.» Zudem liebe er sakrale Musik und die Hofkirche zu sehr:
«Dies ist für mich Nahrung für die Seele.»
Wicki hat auch schon für Schweizer Filme die Musik eingespielt. Seine allererste Arbeit in diesem Bereich war das «Sennentuntschi», ein Horrorfilm von Michael Steiner. Später folgte dann unter anderem «Der grosse Kater» nach dem Buch von Thomas Hürlimann.
Unterscheidet sich diese Aufnahmearbeit stark von seinen Filmmusikkonzerten im KKL? Wicki: «Die Arbeit im Studio ist extrem dicht. Proben gibt es keine. Es geht Schlag auf Schlag. Für ‹The Batman› haben wir 70 Stücke in zehn Tagen aufgenommen. Da kommt zum Beispiel um 9 Uhr der Chor, erhält die Noten und singt los. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich bei den Aufnahmen einen Klick für den Takt im Ohr trage. Dies macht den Schnitt einfacher. Meist kann ich jedoch das Schlussstück beim Abspann individuell dirigieren. Bei Livekonzerten zu Filmen mache ich bewusst alles ohne Klick und kann freier gestalten.»
Besuch von Paul McCartney
Die Aufnahmen werden in den legendären Abbey Road Studios der Beatles durchgeführt. Zufälligerweise fand während des Takes von «Jurassic World» der Remix der 50-Jahr-Jubiläumsausgabe von «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» statt. «Plötzlich stand Paul McCartney im Aufnahmeraum», erinnert sich Wicki.
«Er hat eine Weile interessiert unsere Aufnahmen verfolgt. Aber ich bin einfach zu schüchtern, als dass ich ihn angesprochen hätte. Wenigstens hat der Sohn von Giacchino seine Kamera gezückt und von uns zwei eine Aufnahme gemacht.»


















































































