21st Century Orchestra
Piraten und Gladiatoren emanzipieren sich vom Film
Medienbericht / 8. Mai 2023Luzerner Zeitung

Piraten und Gladiatoren emanzipieren sich vom Film

In der Filmmusik gibt es ein Standardrepertoire, das ohne Filmvorführungen das KKL füllt. Das 21st Century Orchestra nutzt es mit Musik von Hans Zimmer und John Williams für eigene Akzente.

the Force be with you». Es gibt wohl kein passenderes Datum als den 4. Mai, um der Musik von John Williams zu lauschen – dem Schöpfer des «Star-Wars»-Soundtracks. Doch das 21st Century Orchestra und der 21st Century
Chorus unter der Leitung von Ludwig Wicki belassen es am Donnerstagabend im KKL nicht nur bei einer Filmmusikkoryphäe. Mit Williams und Hans Zimmer decken im Programm gleich zwei Hollywoodgrössen
Blockbuster wie «E. T.», «Gladiator », den letztes Jahr mehrfach preisgekrönten «Dune» oder «Indiana Jones» ab. Die Musik ist derart monumental geschrieben und durch den Filmzugang für den Grossteil des Publikums bereits so emotional aufgeladen, dass keine klanggewaltige, erdrückende Interpretation notwendig ist. Der Klangkörper bietet einen transparenten und glatten Klang, der ohne zu erschlagen überzeugt. Die Balance zwischen Chor und Orchester
stimmt, das Blech spielt klar und stark, aber nicht unbändig. Der Gesamteindruck profitiert von den der Musik entsprechenden, agil spielenden hohen Streichern und Holzbläsern, lässt aber mehr Breite der tiefen Streicher vermissen. Vielleicht ist dieser Anspruch auch unseren durch Subwoofer bassverwöhnten Ohren geschuldet.

Anekdoten «Behind the Scenes»

Ludwig Wicki, als Dirigent für Filmmusik längst bis Übersee bekannt, erhält mit diesem leinwandlosen Format die Möglichkeit, ausserhalb der durchgetickten Aufführungen zu den Filmen eine eigene Interpretation dieses Repertoires auf die Bühne zu bringen. So kommen die unterschiedlichen Facetten von William’s Musik zur Geltung – mal hört man Schostakowitsch, mal einen frühen Mahler, mal Holst und mal Bruckner heraus, doch stets bleibt es Williams. Mit dem Thema aus «Schindlers Liste» tritt Konzertmeisterin Christina Gallati in grosse Fussstapfen: Itzhak Perlman spielt im Originalsoundtrack die Solovioline, seine Klangästhetik gibt sie gekonnt wieder. Der Chor klingt in englischsprachigen Passagen noch sehr schweizerisch, besticht jedoch als Ganzes.

Ein rein konzertantes Programm des 21st Century Orchestra füllt das KKL beinah bis auf den letzten Platz, und das
vornehmlich mit einem jüngeren und zahlungsbereiten Publikum. Das ist möglich, weil das Orchester etabliert ist, aber auch, weil die aufgeführten Stücke mittlerweile zum Standardrepertoire des Genres gehören. «Filmmusik, einst in der Hackordnung der Musikrichtungen nur knapp über dem Schlager verortet, ist in den Konzertsälen angekommen,» formuliert es pointiert Michael Schöne von der Agentur München Musik, die die Alegria-Konzerte im KKL mitveranstaltet. Mit Hintergrundinformationen, «Behind the Scenes»-Anekdoten und reichlich Humor führt die SRF 1 Programmleiterin Michèle Schönbächler durch den Abend und schlägt eine weitere Brücke von Populärkultur zu ernst zu nehmender Kompositionskunst. Zimmer und Williams schreiben mehr als nur Stimmungsbilder. Jeder Track funktioniert als eigenständiges Stück und ist wiedererkennbar. Der Film ist dabei nur ein Anlass, sich auf die Musik einzulassen. Sobald dies geschehen ist, wird man auch ohne bewegtes Bild in die Welt der Gladiatoren, royalen Löwen oder mit den zwei Zugaben in den Jurassic Park und auf Jack Sparrows Piratenschiff gezogen. Diese Musik bewegt. Das Publikum lässt sich zu ganzen drei Standing Ovations hinreissen.

© Diana Sonja Tobler

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