Von Klassikern bis zu aktuellen Erfolgsserien: Das 21st Century Orchestra füllte das KKL wie selten mit jungem und diversem Publikum.
Wer am Samstag im KKL aus dem Pausengedränge des Konzertsaal-Foyers über die Abschrankung zum Foyer vor dem Luzerner Saal hinüberspähte, wähnte sich im falschen Film. Denn da sah man Besucherinnen des klassischen Sinfonieballs in aufwendigen Abendroben wie aus den Fantasy- und Historienfilmen, deren Soundtracks das 21st Century Symphony Orchestra im Konzertsaal spielte.
Selten ist das KKL von einem derart diversen Publikum bevölkert, wie es an dieser langen Nacht war. Das galt freilich schon für das Publikum im – ausverkauften – Filmmusik-Konzert des 21st Century Orchestra. Da nämlich war das Publikum so breit gestreut wie das Programm. Dieses reichte von Historienschinken wie «Ben-Hur» (1959) über Genreklassiker wie «Herr der Ringe» oder «Gladiator» bis zu jüngsten Erfolgsserien wie «Game Of Thrones». Und es zeigte mit Richard Strauss’ «Also sprach Zarathustra» (zu Kubricks «Odyssee 2001») und Carl Orffs «O Fortuna» (verwendet in «Excalibur») klassische Vorläufer der Hollywood-Soundtracks.
Damit war das Publikum nicht nur vielfältiger, sondern deutlich jünger als in klassischen Konzerten. Es herrschte eine aufgeräumte Stimmung, wie man sie von Blasmusikkonzerten kennt. Und gerade viele junge Besucherinnen und Besucher waren zum Ausgang so herausgeputzt, dass sie auch in den Sinfonieball gepasst hätten.
Filmmusik als Türöffner für Klassik-Konzerte?
Alle diese Geschmäcker kamen im Konzert reichlich auf ihre Kosten. Im Vordergrund standen, durch den Fokus auf monumentale Filmepen, archaisch-emotionale Klangwogen mit weiten Streichermelodien, unterfüttert und überstrahlt vom Blech und angefeuert vom immer wieder raffinierten eingesetzten Schlagzeug. Damit konnte das 21st Century Orchestra, ins Kosmische ausgeweitet vom Chor, seine ureignen Stärken ausspielen. Dass bei diesem reichhaltigen Programm nicht jedes Detail sass, tat der überwältigenden Wirkung keinen Abbruch.
Geboten wurde aber mehr als die Überschwemmung durch Klang und Emotionen – von Ernest Golds «Exodus» bis zur sinfonischen Pracht in «Two Steps From Hell». In Harry Gregson-Williams’ «Chronicles Of Narnia» sorgten das – übermässig verstärkte – Solocello und zerklüfte Klänge für dramatische Spannung. John Williams’ «Across The Stars» (aus «Star Wars») zeigte als sinfonischer Weltraumflug, wie nah sich Film- und klassische Musik kommen können.
Konzertbesucher bestätigte denn auch, dass sie durch Filmmusik auch mal den Weg in ein klassisches Sinfoniekonzert finden. Allerdings seien das doch «zwei Paar Schuhe», meinte einer, weil Filme und Filmmusik Emotionen direkter vermitteln. Das bestätigte sich hier zum Schluss. Ludwig Wicki und die Ausführenden wurden über die Zugaben hinweg («1492», «Pirates») mit Standing Ovations gefeiert wie Filmstars.
Urs Mattenberger


















































































