21st Century Orchestra
Ein Klassiker begeistert über die Generationen hinweg
Medienbericht / 13. Februar 2026Luzerner Zeitung

Ein Klassiker begeistert über die Generationen hinweg

Neue Serien zeigen: «Amadeus» ist bis heute aktuell. Das 21st Century Orchestra bewies, dass das erst recht für Miloš Formans Klassiker gilt.

«Sie wollen zu ‹Amadeus›?», fragte das Saalpersonal Besucher, die vom Foyer des Luzerner Saals hinüber zum Konzertsaal drängten. Denn auch vor dem Luzerner Saal warteten viele auf das Konzert der HSLU Big Band. Die grosse Masse wollte weiter in den Konzertsaal zum Auftritt des 21st Century Orchestra, als stünde hier eine Blockbuster-Premiere an. Die Besucher füllten den Konzertsaal – wie auch in der Wiederholung am Sonntag – bis auf den letzten Platz. Selten erlebt man das KKL derart mit Jung und Alt bunt bevölkert wie an diesem Samstagabend. Sie machten aus dem vermeintlichen Kulturtempel ein Volkshaus für alle.

Trotz Tiktok-Nachfolger ist «Amadeus» der Klassiker

Das entsprach ganz der Botschaft von Miloš Formans «Amadeus»-Film von 1984.
Dieser spitzt die Rivalität zwischen dem braven Durchschnittskomponisten Salieri (F. Murray Abraham) und dem vulgären Genie Mozart zum Thriller zu, indem er Mozart mit Punk-Perücken zum unflätigen Pop-Star (Tom Hulce) stilisierte.

Damit ist «Amadeus» gleichermassen ein Historien- wie ein veritabler Musikfilm. Dieser hat nicht nur das Mozart-Bild einer ganzen Generation entstaubt und einem breiten Publikum den Zugang zu klassischer Musik geöffnet.

Bis heute inspiriert er auch weitere Mozart-Filme. So war die Ende 2025 ausgestrahlte fünfteilige Serie «Amadeus» (auf Sky) ein Remake nach dem Stück von Peter Shaffer. Die Serie «Mozart/Mozart» entfernt sich auf ARD noch weiter von den historischen Tatsachen. Hier stürzt Superstar Mozart komplett ab und rückt die «ebenso talentierte» Schwester in den Fokus: Eine Produktion, die ein Tiktok-Publikum auch mit dem elektronisch verpopptem Soundtrack ins Visier nimmt, wie sich die harschen Kritiken ereiferten.

Gemessen daran wirkte die «Amadeus»-Vorführung im KKL wie ein bestandener Klassiker. Das liegt auch am ästhetischen Zwiespalt im Film. So anarchisch hier Mozart gezeigt wird: Vom Aufruhr, mit dem damals die historische Aufführungspraxis das Mozart-Bild auch musikalisch revolutionierte, ist nichts zu spüren. Der Soundtrack wirkt (mit Aufnahmen unter Neville Marriner) aus heutiger Sicht pompös und behäbig. Die Wiederbegegnung jetzt im Konzertsaal fegte solche Bedenken beiseite. Da passte die romantisch dämonisierte Musik etwa des «Requiem» haargenau zu den opulenten Bildern, die einen auf Grossleinwand – mit rauschhaften Festen, bedrohlichen Maskeraden oder ungestümen Kutschenfahrten – bedrängen. Das 21st Century Orchestra und sein Chor verhalfen ihnen mit sinfonischer Klangkraft auch musikalisch zu überwältigendem Cinemascope-Format.

Hybrid aus Live-Musik, Tonspur und Bildern

Stärker noch als bei der ersten Aufführung mit Live-Orchester vor sieben Jahren im KKL wurde zur Sensation, wie dicht hier sich die live gespielte Musik mit den Bildern und der Tonspur (neben Geräuschen und Dialogen auch die Singstimmen) verbanden. Wie Ludwig Wicki all das mit exaktem und flexiblem Timing miteinander verzahnte, war eine Klasse für sich.

Wo Salieri mit Gott hadert, weil er dessen Wunder in der Musik des Unflats Mozart entdeckt, lassen Oboe und Klarinette die Melodien der Granpartita sehnsüchtig aufblühen. Patrizia Ulrich am Flügel gibt mit dem Orchester ein frappantes Playback zu Mozarts Auftritten als Pianist. Wenn sich Salieri fassungslos durch Mozarts Manuskripte blättert, wechseln Orchester und Chor virtuos zwischen Auszügen aus Konzerten und Opernarien hin und her. Wo Mozart gegen Ende Salieri sein Requiem diktiert, mischt sich seine Stimme wie im Delirium als zusätzliche Farbe in den Strom von Chor und Orchester. So mischen sich in diesem Hybrid- Format Live-Musik und Tonspur, als würden Bilder übereinander geblendet.

Dass «Amadeus» auch heute noch das Publikum über die Generationen hinweg begeistert, zeigten Reaktionen in der Pause. Da war etwa die Mutter, die den Film bereits dreimal im Kino gesehen hatte, aber jetzt von der Live-Musik überwältigt war. Das galt auch für Sohn und Tochter, die privat eher Pop-Musik und «alles Mögliche» hören. Sie zeigten wie auch die Standing Ovations zum Schluss, dass mit «Amadeus» auch heute noch ein Publikum für klassische Musik gewonnen werden kann.

© Urs Mattenberger

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