Das 21st Century Symphony Orchestra zeigte erstmals einen Disney-Klassiker in deutscher Sprache. Und punktete im «Dschungelbuch» auch bei jungen Zuschauern durch die Musik.
In einem Gespräch unter Freunden stellten wir fest, dass in den 70er Jahren Fernsehserien mit Tieren als Hauptdarstellern bei Buben und Mädchen gleichermassen beliebt waren. «Fury», «Flipper» oder «Lassie», die unsere Buben (9 und 10) als typische Mädchenfilme abstempeln würden, riefen bei Männern wie Frauen frühe Kindheitserinnerungen wach. Spielten Gender-Aspekte damals also weder in der Produktion noch bei den Kindern die Rolle wie in aktuellen Animationsserien, die Hauptrollen und Identifikationsangebote möglichst paritätisch auf Buben («Angelo») und Mädchen («Sally Bollywood») verteilen?
Statt Grosssinfonik spritziger Swing
Anschauungsmaterial zu solchen Fragen lieferten am Freitag und Samstag drei Aufführungen des «Dschungelbuchs» durch das 21st Symphony Orchestra im KKL: einem Disney-Klassiker, der 1966 und damit vor der aktuellen Gender-Diskussion entstanden ist und mit gutem Grund in deutscher Sprache gezeigt wurde.
Zu seinem Erfolg dürfte mit beigetragen haben, dass der Tierfilm mit hohem Rührfaktor, aber mit dem Findelkind-Knaben Mogli als Hauptdarsteller Buben wie Mädchen und jüngere wie ältere Zuschauer anspricht. Auf die Frage, was ihnen daran am besten gefallen habe, nannte unser jüngerer Bub die Rückkehr Moglis zu den Menschen, wo er einem Mädchen begegnet. Der ältere meinte dagegen lapidar: Die Musik.
Tatsächlich ist bei Vorführungen derart bekannter Filme im KKL das Novum, dass man sie mit der Power eines live begleitenden Orchesters erlebt. Und die setzte hier kindgerecht andere Akzente, als man es von Blockbustern für Erwachsene gewohnt ist. Statt düsterer Schlachtgemälde und romantischer Grosssinfonik hörte man, wie zeitlos auch Swing und Jazz heute noch wirken können. Wo sie die Handlung wie beim tumultuösen Affentheater dramatisch zuspitzen, zeigte das Orchester unter der Leitung von Ludwig Wicki zwar das Powerplay, das man von Filmmusik erwartet und das sich hier im Schlagwerk wie ein Lauffeuer über die Bühne ausbreitete. Aber noch bemerkenswerter war die Leichtigkeit und Spritzigkeit, mit der hier der unverwüstliche Swing zum Motor des Geschehens wurde.
Holzbläsersoli reicherten die schwüle Dschungelluft exotisch an. Dramatik ergab sich aus dem Tempo und dem Schmiss, den die aufblitzenden Blechbläser über alle Elefanten-Marsch-Fröhlichkeit hinaus zum Hochdruckmusizieren steigerten. Da konnte man es sich nur mit dem grossen Angebot an Filmmusik im KKL erklären, dass selbst bei einem solchen Klassiker bei drei Aufführungen etliche Sitze leer blieben.


















































































