Seit zwanzig Jahren Kultstatus: «Pirates of the Carribean» funktioniert immer noch, beweist das 21st Century Orchestra. Warum sich der berühmte Piraten-Soundtrack besonders für ein Liveorchester eignet und wo die Tücken liegen. Ein Filmabend mit bombastischen Ausmassen im KKL
Ist es wert, über einen zwanzig Jahre alten Film zu schreiben? Und sollte man dafür auch von Städten wie Zürich und Basel ins KKL Luzern pilgern? Eigentlich nicht, doch in der Kombination mit einem Liveorchester, das den Soundtrack dazu spielt, lassen sich obige Fragen mit einem klaren Ja beantworten. Das zeigt der Donnerstagabend und die drei weiteren ausverkauften Vorstellungen mit dem 21st Century Orchestra und Chorus und «Pirates of the Carribean – The Curse of the Black Pearl» (2003).
Einen ersten Hinweis auf den Unterschied zwischen Kinovorführung und Liveerlebnis geben schon vor dem ersten Ton die Akustikvorhänge. Bei Konzerten oft wenig genutzt, sind sie nun beinah ganz ausgezogen. Ein Vorbote auf die immensen Lautstärken, das Knallen, das nicht nur von den diversen Kanonenschüssen im Verlauf des mehr als zweistündigen Film stammt. Denn der Soundtrack für den ersten Teil der Piratensaga hat es in sich. Der deutsche Filmmusikkomponist Klaus Badelt komponierte ihn in Zusammenarbeit mit Hans Zimmer als Produzenten innerhalb von nur drei Wochen. Die darin enthaltenen Themen haben Kultstatus erlangt. Kein Wunder, denn sie widerspiegeln den charmant egozentrischen Captain (!) Jack Sparrow (Johnny Depp), die verfluchte «Black Pearl» und ihre Skelettbesatzung und die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Gouverneurstochter Elizabeth Swann (Keira Knightley) und Piratennachfahre Will Turner (Orlando Bloom) in raffinierter Weise.
Dieser Soundtrack ist besonders für eine Aufführung mit Liveorchester geeignet. Es gibt keck verspielte Fiddle-Solos (Konzertmeisterin: Miriam Müller), röhrendes tiefes Blech während der nicht enden wollenden Kampfszenen – die Skelettbesatzung kann fluchbedingt nicht getötet werden – , ein ganzes Arsenal an Zusatzinstrumenten und -trommeln und der filmmusiktypische Aah- und Ooh-Chor. Ausschliesslich Männer natürlich. Frauen an Bord bringen nämlich Unglück, wie man lernt.
Alles eine Frage der Balance
Eine Herausforderung dieser Aufführungsform ist die Balance. Was im Studio ohne Nebengeräusche aufgenommen und beim Abmischen bequem in das gesamte Sounddesign des Werks eingebettet werden kann, muss in der Liveversion des 21st Century Orchestra direkt passen. Dirigent Ludwig Wicki setzt dabei am oberen Ende an. Ein Glück, gibt es deutsche Untertitel für die englischsprachige Tonspur, denn die Musik übertönt teils alles. In anderen Situationen behilft sich das Orchester elektronischer Verstärkung. Der Cembaloklang beispielsweise kann auf dem Keyboard bequem geregelt werden. Und so gelingt auch im Cellosolo eine rohe tänzerische Atmosphäre, weil Solocellist Joachim Müller-Crepon dank Mikrofon nicht forcieren muss, um gehört zu werden.
Wie immer bei Konzerten der beiden Luzerner Filmmusikorchester stellt sich die Frage, ob der Film von der Musik ablenkt oder die Musik vom Film. Eine kleine Erleichterung in dieses Spannungsverhältnis bringt der Abspann. Die Parade aller Themen ermöglicht ein letztes bewusstes Erleben des bedrohlichen Blechs, der heroischen Hörner, der Peitsche im Perkussionsregister und zeigt, wie die Streicher Sparrows ewig wiederkehrendes Thema auch ganz am Schluss mit schwungvoller Contenance spielen – wie der Pirat selbst. Die einzig logische Folge dieser Leistung sind die folgenden Standing Ovations.
© Diana Sonja Tobler


















































































