21st Century Orchestra
21st Century Orchestra spielt Filmmusik zu Star Wars – V
Medienbericht / 3. Januar 2022Luzerner Zeitung

21st Century Orchestra spielt Filmmusik zu Star Wars – V

Das 21st Century Orchestra bringt erstmals den zweiten «Star Wars»-Film ins KKL – ein Spektakel.

Es ist eine grosse Premiere. Zum ersten Mal erklingt im KKL der für viele beste «Star Wars»-Film aller Zeiten. 1980 erschienen, ist «Das Imperium schlägt zurück» bis heute Massstab und Vorbild für die ganze Reihe und Spinn-offs dieser Disney-Franchise. Auf der Bühne steht das 21st Century Orchestra unter ihrem Dirigenten Ludwig Wicki. Eigentlich die Hauptakteure im Spektakel. Doch an diesem Montagabend im gut gefüllten KKL müssen sich die Musikerinnen und Musiker lange gedulden. Erst der Abspann gibt ihnen die nötige Luft, sich künstlerisch zu entfalten.

Der Inbegriff des Bösen

Dies müsste eigentlich nicht so sein. Das von John Williams komponierte Score umfasst ganze 107 Minuten Musik. Lange Pausen gibt es keine. Die Musiker haben ständig zu tun. Nicht nur der Film, auch die Musik gilt als etwas vom Besten, was je in diesem Genre komponiert wurde. Der Impakt auf das Publikum mag beim allerersten «Krieg der Sterne» grösser gewesen sein. Seine Fortsetzung ist jedoch raffinierter und weitet die Welt der Leitthemen deutlich aus. Allen voran das «Darth Vader’s Theme», welches hier das erste Mal erklingt. Bis heute ist der brutal hackende Marsch der Inbegriff des universellen Bösen. In der gnadenlosen Musik werden Erinnerungen wach an den wilden zweiten Satz der 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, wo der Komponist wohl ein Porträt Stalins wagte.

Oder das einfache Yoda-Thema, wo John Williams dessen grosse Weisheit in musi­kalische Klarheit packt. Daneben verfüttert der Komponist immer wieder kleinere musikalische Inputs an das Publikum – das Fagott für den Kopfgeld­jäger Boba Fett oder die prahlerische Melodie für Lando Calrissian und seine Wolkenstatt.

Das Duell Tonspur gegen Musiker

All diese Themen, ihre Modulationen und Verflechtungen sind für sich alleine ein Abend im KKL wert. Leider kommen genau diese, vor allem im ersten Teil, nicht richtig zur Geltung. Die Abmischung setzt zu sehr auf den Film, seine Dialoge und Geräusche. Das Schnaufen von Darth Vader, aber auch einfach Schrittgeräusche oder die Bewegung eines Stuhls verhindern es oft, Feinheiten in der Partitur wahrzunehmen. In den Kampfszenen mit seinen Explosionen, Fluggeräuschen, Laserschwerten und angespannten Dialogen findet die Schlacht nicht nur auf dem Bildschirm statt. Wagemutig stürzt sich auch das Orchester in den Nahkampf mit der Tonspur. Die Musik erreicht für sich alleine Spitzenpegel. Zusammen mit dem Film ist es zu viel. Vereinzelte Zuschauer halten sich denn auch immer wieder die Ohren zu.

Musik ins Zentrum gerückt

Han Solo fliegt knapp an einem Asteroiden vorbei, während der feindliche Pilot nicht so viel Glück hat. John Williams untermalt dies mit einer doppeldeu­tigen Musik, die Solos Selbst­gefälligkeit, aber auch seine Zielstrebigkeit treffsicher in Noten kleidet. Nuancen, die in der Lautstärke untergehen. Oder beim «Darth Vader’s Theme» versinken die wichtigen akkordischen Wechsel der Waldhörner in den Filmgeräuschen. Schon bei «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» war der Ton zu laut eingestellt. Das Faszinierende an diesen Liveaufführungen ist ja gerade, dass die Musik im Zentrum steht. Sich die Filmspur und die Musiker nicht gegenseitig in die Höhe schaukeln. Die meisten Besucher im KKL dürften den Film schon kennen. Da macht es nichts, gerade mit Untertitelung, wenn in Kampfszenen nicht das hinterste und letzte Wort zu verstehen ist.

In den ruhigeren Szenen auf dem Planeten des Jedi-Meisters Yoda oder im weniger explosiven zweiten Teil kommt das Orchester besser zur Geltung. Die Solos in Waldhorn und Klarinette bei den Auftritten des Jedi-Meister oder die Luftigkeit in den verschiedenen kurzen Liebesszenen setzen hier wohltuende Kontrapunkte. Und dann eben der Abspann, wo das 21st Century Orchestra wuchtig und weit aus dem Vollen schöpft. Die rasche Vermengung der verschiedenen Leitmotive und ihre akkordischen Verflechtungen für ein zweitletztes Highlight sorgen. Als Zugabe ist es dann – wie könnte es anders sein – noch einmal der Marsch des Oberschurken, der das begeistert applaudierende Publikum in die Nacht entlässt.

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