Hardrock meets Klassik: Gotthard und das 21st Century Orchestra sind diese Woche viermal im Konzertsaal des KKL Luzern. Wir haben eine Probe besucht.
Die vier Abende mit Gotthard und dem 21st Century Orchestra & Chorus im KKL, die «Radio Pilatus Music Night» 2023, sind ausverkauft. Wir haben am Montag die Probe besucht. Ein Gespräch mit Gotthard-Bassist und Gründungsmitglied Marc Lynn und Dirigent Christof Brunner.
Er sei nur Vermittler zwischen Kulturen, meint Dirigent Christof Brunner. Was sagen Sie dazu, Marc Lynn?
Marc Lynn: Ja, irgendwie schon. Ich meine, Rock und Klassik wurden schon oftmals zusammengebracht, von den Stones, Metallica usw. Aber für viele Leute ist es immer noch etwas Spezielles, wenn diese zwei Welten aufeinanderprallen. Auf der anderen Seite benutzen wir alle dieselben zwölf Noten. Und im Rock haben wir Keyboards für Streicherimitationen.
Sie arbeiten schon eine Weile mit Gotthard zusammen, Christof Brunner, nämlich mit dem Zürcher Kammerorchester.
Christof Brunner: Ja, seit 2016. Ich schreibe auch die Streicherarrangements für Liveauftritte von Gotthard.
Marc Lynn: Unsere Partnerfirma hatte uns damals angefragt, ob wir so etwas für einen Firmenanlass machen würden. Wir haben das Format aber nie öffentlich zugänglich gemacht. Dieses Jahr ist es das erste Mal. Vor drei Wochen fiel in Glarus der Startschuss mit der Streicherformation G-Strings und dem Zürcher Sinfonieorchester Tifico.
Und Gotthard macht das Spass?
Marc Lynn: Es sind unsere Songs. Aber es ist manchmal schon schwierig für uns, weil man sehr achtgeben muss. Das Orchester ist akustisch, wir sind elektrisch und es uns gewohnt, laut zu sein und voll abzudrücken. Jetzt müssen wir ein bisschen zurückschalten und schauen, dass die Energie auf eine andere Art rüberkommt. Aber es ist ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander.
Bei einem Orchester entsteht die Energie durch die vielen Leute, die auch eine wahnsinnige Power hinbringen.
Marc Lynn: Nur haben wir einen Volumenknopf.
Christof Brunner: Dagegen haben wir keine Chance. (Beide lachen.)
Gotthard hat Klassik und Hardrock auch schon früher verbunden, noch mit Steve Lee, etwa 2009 in der Tonhalle Zürich.
Marc Lynn: Ja, aber nicht mit einem klassischen Orchester, sondern im kleinen Format mit einem Quartett. Mit den G-Strings, die jetzt auch mitspielen.
Das 21st Century Orchestra ist nun kein Kammer-, sondern ein Sinfonieorchester …
Christof Brunner: Die Gotthard-Songs, mit denen ich aufgewachsen bin, sind Schweizer Kulturgut. In ihrer Musik hat es ganz viele Farben und Sinfonisches drin, und ich dachte immer, zusammen mit Grossorchester und auch einem Chor, das wäre lässig. Das KKL-Konzert ist eine Welturaufführung. Ich bin einfach nur happy, das gibt eine Power!
Marc Lynn: Es wäre natürlich schön, wenn man sagen könnte, heute London, morgen Tokio.
Christof Brunner: Wir arbeiten daran. (Beide lachen.)
Marc Lynn: Das KKL ist eine Neuigkeit, weil wir auch noch einen Chor dabeihaben. Letzte Woche konnte ich mir das noch nicht vorstellen. Am Sonntag haben wir geprobt, und ich muss sagen: Wow, super! Sie hatten sich so gut vorbereitet.
Es war nicht vorgesehen, dass Sie dirigieren, Christof Brunner. Sie springen für Ludwig Wicki ein, der verhindert ist. Ein «Glücksfall»?
Marc Lynn: Christof bringt «Genialität und Banalität» zur gleichen Zeit zusammen, weil er eine Rockband versteht. Sagen wir es so: Er hat es bis heute nicht begriffen, aber versteht und weiss, wann er den Stock schwingen muss. (beide lachen.)
Christof Brunner: Ich bin sozusagen der Hausdirigent von Gotthard. (Beide lachen.)
Nun ist es das erste Mal, dass Gotthard im Konzertsaal des KKL, das eben 25 geworden ist, auftritt …
Marc Lynn: Wird sind schon einmal im KKL aufgetreten, beim Swiss Music Award. Aber das war Playback und eine Sache von drei Minuten (lacht). Aber Gitarrist Leo Leoni war schon zusammen mit Steve Lee und Jon Lord von Deep Purple im KKL. Damals war ich Zuschauer.
Und was sagen Sie zur weltberühmten Akustik?
Marc Lynn: Es ist eine Ehre für uns, im KKL spielen zu dürfen. Die Lautstärke ist eine Challenge in diesem sensiblen Saal, der so gebaut ist, dass man wirklich alles hört.
Und was sagen Sie zu Orchester und Chor?
Christof Brunner: Ich bin total begeistert. Ich habe schon von verschiedener Seite her gehört, wie gut sie seien. Was mir so gefällt und was man auch beim Chor spürt: Sie sind Fans der Songs, sie kennen die CDs.
Noch eine Frage zur Setlist: Können Sie etwas darüber verraten, Marc Lynn? Ist jeder Abend gleich, oder gibt es Überraschungen?
Marc Lynn: Die Setlist ist jeden Abend ziemlich gleich, aber es gibt lustige Parts, Intermezzi zwischen den Songs, die man nicht bis ins Detail planen kann. Es soll nicht einfach nur ein Konzert sein, sondern es soll unterhalten. Wir wollen, dass sich die Leute entspannen und auch mal lachen können.
Wie ist es, in Luzern zu spielen, Marc Lynn? Sie wohnen ja in Neuenkirch.
Marc Lynn: Luzern ist so schön, da möchte ich nicht nach Hause. Ich bin im Hotel Schweizerhof abgestiegen. Dort gibt es auch ein Gotthard-Zimmer.
Das wusste ich nicht mal.
Marc Lynn: Doch, doch. Darauf sind wir sehr stolz. Aber keiner von uns ist da einquartiert.
Wieso denn nicht?
Marc Lynn: Da begrüsst einen Steve in einer Videobotschaft. Und das will man ja nicht unbedingt. Die Steve-Lee-Sache kommt im Dezember. Die «60th Anniversary Tribute Show», die nächste grosse Kiste.


















































































