21st Century Orchestra
«Aaah» und ein Kyrie: «The DaVinci Code» vereint die Leidenschaften des Dirigenten
Medienbericht / 9. November 2025Luzerner Zeitung

«Aaah» und ein Kyrie: «The DaVinci Code» vereint die Leidenschaften des Dirigenten

Ludwig Wicki dirigiert das 21st Century Orchestra und den Chorus. Der Soundtrack von Hans Zimmer bietet sich für den Chorleiter und Filmmusik-Enthusiasten besonders an.

Haben Sie eine Liste mit Filmen, die Sie noch gerne sehen würden? Ludwig Wicki hat eine mit Filmen, die er noch gerne dirigieren würde. Mit dem 21st Century Orchestra, dem 21st Century Chorus und seinen guten Kontakten in die Filmindustrie ist er einer der wenigen Menschen, die so eine Liste auch umsetzen können. Als Resultat feierte «The DaVinci Code» am Freitagabend seine Live-Premiere im KKL. Wie bei vielen Projekten von Wicki ist es auch hier eine Weltpremiere.

Die Romanverfilmung von Dan Browns Thriller «Sakrileg» rund um Symbole, Rätsel und das grösste Geheimnis der Christenheit bindet dem potenziell unaufmerksamen oder etwas langsamen Publikum die vielsagenden Details zwar auf die Nase (die Verhaftung der Tempelritter erfolgte am 13. Oktober 1307 – Protagonistin mit aufgerissenen Augen: «Freitag, der 13.!»). Da stört es nicht, dass der englische Dialog immer wieder in der Klangfülle untergeht und man sich auf die deutschen Untertitel verlassen muss.

Doch die Spannung und der Rhythmus der Handlung wird stark von der Musik von Filmmusikkomponist Hans Zimmer getragen. Und ist nicht nur deshalb ein idealer Kandidat für die KKL-Version eines Filmabends.

Hier kommen seine zwei Spezialgebiete zusammen

Ein Grund dafür ist auch das künstlerische Profil des Mannes auf dem Dirigierpult. Wicki ist Filmmusik-Enthusiast, so viel ist allen klar, die den KKL-Saal vor allem mit Leinwand und Blockbustern kennen. Doch er war auch 26 Jahre lang Kapellmeister an der Hofkirche Luzern und dort verantwortlich für Choraufführungen und Messen. Das war ein Mitgrund, weshalb er 2007 den 21st Century Chorus gründete.

Moderne Techniken, grosse Effekte

Diese zwei Leidenschaften – die Filmmusik und die (sakrale) Chormusik – finden in dieser Partitur zusammen, wie Wicki betont: «Es hat sehr viele Chorklänge in diesem Score – impressionistische Vokalisen und Klanggebilde.» Übersetzt hört man viele «Aahs», Zischen, Murmeln und ein durch viele Frauenstimmen gefärbter Chor, der mit übereinander geschichteten Rhythmen bisweilen auch eine perkussive Funktion einnimmt. Das hat Wirkung, das macht Eindruck. Und über allem immer wieder Sopranistin Carmela Konrad, die abgesehen von vereinzelten Mikrofonnebengeräuschen – im Kino wären die herausgemischt worden – gerade im Decrescendo grazil ins Pianissimo verabschiedet.

Dabei untermalt der Orchesterpart die Grundstimmung nach bekanntem Zimmer-Prinzip: grosszügig orchestrierte Akkorde mit kleinteiligen Texturen, darüber eine Hauptstimme, je nach Stimmung elegant von den Violinen oder auch mal heroisch von den Hörnern geführt. Doch immer wieder erscheinen auch moderne Techniken. Clusterakkorde mit Streicherflageolets, denen man sich glücklicherweise statt der expliziten Selbstgeisselungsszene widmen kann.

Choräle und Motetten für ein ungewohntes Publikum

In Anlehnung an den Inhalt des Films erinnert Zimmers durchaus moderner Soundtrack an mehr als einer Stelle an gregorianische Choräle. Das «Kyrie for the Magdalene» erklingt zwar im Stück selbst nicht, erklingt aber in den insgesamt drei Aufführungen vom Wochenende zum Abspann. Hier werden die zahlreichen Stimmen mottetenartig durcheinander geflochten.

Der Zeitpunkt ist ideal, denn das Publikum, das während rund zweieinhalb Stunden seine Aufmerksamkeit zwischen Musik und Leinwand aufteilte, hat just für dieses spezielle Stück die volle Ohrenbandbreite zur Verfügung. Und plötzlich sitzen sie alle da, im KKL-Sitz, und hören sakral inspirierte Chormusik, wie an jedem anderen Konzert. An das sie ohne Film vielleicht nicht gegangen wären.

© Diana Sonja Tobler

Presse

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