Die Magie von Filmmusik funktioniert auch ohne Kino. Das auf dieses Genre spezialisierte 21st Century Symphony Orchestra ist genau das Ensemble, um es unter Beweis zu stellen
WIESBADEN – Die große Beliebtheit von Konzerten, deren Programm sich ausschließlich aus Filmmusik zusammensetzt, ist nicht zuletzt dem Können der Meister des Genres geschuldet. Allen voran die Komponisten Hans Zimmer und John Williams, deren Schaffen ein Konzert des Rheingau Musik Festivals im Wiesbadener Kurpark gewidmet ist. Die Beliebtheit dürfte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Magie dieser Musik auch ganz ohne den Zauber des dazugehörigen Films funktioniert. Das auf dieses Genre spezialisierte 21st Century Symphony Orchestra aus der Schweiz unter der Leitung von Christian Schumann, ist genau das richtige Ensemble, um das unter Beweis zu stellen.
Spannung, wie zum Greifen, das Publikum „unter Strom“
So hat man etwa bei der Darbietung von Chevaliers de Sangreal aus Hans Zimmers Musik zu The Da Vinci Code das Gefühl, die Spannung greifen zu können. Alles ist darauf angelegt, das Publikum unter Strom zu setzen. Die sich immer wiederholenden Ostinato-Figuren bei den Streichern, die dabei ihre Bögen rhythmisch springen lassen. Die tiefen Bläser, die die Atmosphäre vor der Konzertmuschel zum Vibrieren bringen. Doch dann übernehmen die Celli die Regie und ein melancholischer Schmelz legt sich zumindest vorübergehend dämpfend auf das brodelnde Peitschen. Eine Darbietung, die das Publikum derart in ihren Bann zieht, dass es wirklich bis zum letzten hörbaren Ausklingen der Saiten wartet, bis es stürmisch applaudiert.
Eine volle Breitseite mitreißender Klänge trifft es bei dem ebenfalls von Hans Zimmer stammenden Soundtrack zu Pirates of the Caribbean III. Eine überraschende Klangfarbe verleiht das Orchester dem Auftakt von Drink Up Me Hearties Yo Ho, das einen gedanklich kurz in die Welt des Tangos entführt. Mit dem wogenden Spiel der Violas werden die Segel jedoch schon bald in Richtung Karibik gesetzt, die mit den prägnanten Stakkati des Themas auch schnell erreicht wird. Zumal nicht nur das Schlagwerk für treibende Trommelklänge sorgt, sondern auch die Kontrabassisten mit ihren Bögen den pulsierenden Rhythmus im wahrsten Sinne des Wortes anschlagen. Doch auch wenn das Spiel des Orchesters dem Genre entsprechend vorwiegend Größe ausstrahlt, so ist diese immer wieder auch in den leisen Tönen zu finden. Sei es bei Läufen auf der Harfe oder dem hellen Klang der Piccoloflöten.
Einen Sonderapplaus erhält die Konzertmeisterin Christina Gallati für ihr Spiel bei dem berühmten Thema aus der mit dem Oscar ausgezeichneten Filmmusik zu Schindler’s List von John Williams. Mit geschmeidigem Strich erzeugt die Solistin die bittere Süße, die zur Gefühlstiefe der Komposition beiträgt. Auch ein Stück tänzerische Leichtigkeit verleiht sie dem Thema, das am Ende zunächst filigran, dann aber vor allem fragil ausklingt. Das genaue Gegenteil davon ist das Stück aus Hans Zimmers ebenfalls mit einem Oscar prämierten Soundtrack zum Science-Fiction-Film Inception. Mit scharfen Gitarrenriffs und einem düsteren Dräuen beginnt Dream is Collapsing & Time. Was als Drohung beginnt, wächst sich zu einem Klanggewitter aus, das nicht mehr nur monumentale, sondern gar monströse Ausmaße erreicht. Dann jedoch kommt deutlich spürbar der Aspekt der Zeit ins Spiel. Denn sie scheint förmlich stehen zu bleiben, als sich der Klang, wie in Zeitlupe um sich selbst dreht. Drei Zugaben erarbeitet sich das begeisterte Publikum, in dem es beim Schlussapplaus niemanden mehr auf seinem Sitz hält.
von Hendrik Jung


















































































