Das 21st Century Orchestra bringt erstmals «Top Gun – Maverick» ins KKL. Der Film ist stark, der Soundtrack lässt Fragen offen.
Dieser Film wurde erschaffen, um Rekorde zu brechen. Allein am ersten Wochenende spülte er 248 Millionen Dollar in die Kassen. Die hohen Produktionskosten von 170 Millionen waren da schon kein Thema mehr. Für den erfolgsverwöhnten Tom Cruise war es der mit Ab stand beste Filmstart seiner Karriere. Bei den Oscars wurde «Top Gun – Maverick» gar als bester Film nominiert. Schluss endlich reichte es aber nur für einen Trostpreis im Ressort «Besten Ton». Schade eigentlich. Für viele Kritiker ist er bedeutend besser als sein romantischer Vorgänger von 1986.
Filmmusik: Hohe Messlatte des Vorgängers
Und wie sieht es bei der Filmmusik aus? Ebenfalls rekordverdächtig ist, dass der Film so kurz nach seinem Erscheinen bereits auch im Konzertsaal auftaucht. Da muss die Musik offenbar etwas zu bieten haben. Bei den über total 130 Nominierungen in der Filmpreissaison 2022/2023 finden sich allerdings nur deren zwei für den «Besten Soundtrack». Und das bei einen Vorgänger, der musikalische Wegmarken setze. «Take My Breath Away» der kalifornischen Popband Berlin gewann einen Oscar. Und Harold Faltermeyers «Top Gun Anthem• überquerte locker die Messlatte der expressivsten Heldenklänge.
Tom Cruise erklärt die Filmmusik
Der Anfang im ausverkauften KKL vom Donnerstagabend ist vielversprechend. In Cannes zur Premiere von «Top Gun – Maverick» • rühmte sich Tom Cruise, dass er persönlich Hollywood auf die Idee der internationalen Premiere-Events gebracht hätte. Oder wie er es in einem Interview formulierte: «Ich bestand darauf, nur noch bei Filmen mitzumachen, wenn ich mit ihnen um die Welt reisen und mit den Menschen reden konnte.» Auch im KKL lässt er sich nicht lumpen. Nicht persönlich, aber zumindest auf der Grossleinwand begrüsst er das Publikum. Konzentriert, direkt in die Augen blickend, referiert er über Filmmusik und die Essenz des Leitmotivs. Mit den grossen Einstiegsworten kann der Soundtrack aber nicht ganz mithalten. Zwar finden die Komponisten Hans Zimmer und Lore Balfe eine Balance zwischen den alten Melodien und ihren eigenen, moderneren Klangelementen. Diese nostalgische Schlagseite vermag viele Erinnerungen zu wecken. Das Lied «Danger Zone» von Kenny Leggins fehlt ebenso wenig wie das damalige Gitarren-Hauptthema «Top Gun Anthem». Bereits in der Titelmelodie «You’ve Seen Called Back to Top Gun» macht es seine ungeschminkte Aufwartung.
Das 21st Century Orchestra spielt die zusätzliche Perkussion mit viel Live-Schub. Warm und voll legen die Streicher die Stimmung. Doch weite Teile sind eher repetitiv, wenn nicht gar simpel. Vom Start weg – die atemraubende Anfangssequenz, wo Tom Cruise sein Flugzeug über Mach 10 hochpusht – bis zum Schluss bleibt das Muster ähnlich. Endlose Achtelnoten in den Violinen begleiten lange Hornklänge und wuchtige Schläge in der Perkussion. Dazu gibt es langsam auf bauende Crescendi und ein paar tiefe Hans-Zimmer-Brummer. Kein Vergleich zu den musikalischen Wunderwelten aus «Star Wars», «Harry Porter» oder «Herr der Ringe». Als filmstützendes Element schafft dieser Soundtrack zwar Atmosphäre und Spannung. Als Konzertereignis hat er eher wenig zu bieten. Dies hat nichts mit dem 21st Century Orchestra zu tun. Die Musikerinnen und Musiker erledigen ihre Aufgabe mit Bravour und Brillanz.
Lady Gaga als Höhepunkt
Eine besondere Herausforderung bei solchen Aufführungen ist jeweils die Integration von Singstimmen, die ab Band er klingen. Eine Live-Performance durch andere Interpreten ist teilweise aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich. Bei Lady Gaga und ihrem «Hold My Hand» – ein Lied, der es in der Schweiz immerhin auf Platz 5 der Charts brachte – ist dies auch aus stimmlichen Gründen nicht angebracht. Im ersten Teil, bei anderen Songs, gelang die Abmischung nicht immer optimal. Sobald das Orchester etwas mehr Lautstärke brachte, waren die Stimmen nur noch aus dem Off zu hören. Das Lied von Lady Gaga – romantische Begleitung der letzten Filmbilder – entfaltet im KKL jedoch seine ganze Kraft. Es ist ein strahlender, ja heldenhafter Schlusspunkt hinter das zweistündige Filmspektakel.
© Roman Kühne


















































































