Schlagerstar Beatrice Egli ist mit dem 21st Century Orchestra im KKL aufgetreten. Dabei sorgte auch ein Gaststar für Furore.
Beatrice Egli, das ist nicht einfach nur Musik. Das ist eine eigene Welt mit Echokammern, heil und perfekt. Letzteres in dem Sinne, dass ihre Songs und das, was sie als Person darstellt, perfekt übereinstimmen.
Auch am Montagabend im KKL, im Rahmen der «Radio Pilatus Music Night», ging es in den Liedern wie in den ausführlichen Ansprachen dazwischen um Liebe. Um die Bedeutung der Familie. Um den Moment, den man packen und geniessen soll. Und um den eigenen Weg, den man finden und unbeirrt gehen soll. Und immer wieder: «Steh zu dir selbst, ganz egal, was andere sagen.»
Sie verkörpert, was sie sagt
Es sind einfache Botschaften, auch oft gehörte, gerade in der Schlagerwelt. Aber Beatrice Egli hat eine besondere Glaubwürdigkeit. Wenn sie zum Beispiel im Konzert über Schönheitsideale spricht und dabei auch auf ihren eigenen Körper Bezug nimmt, der keine Modelmasse aufweise, dann ist sie mit diesem Thema immer schon offen umgegangen. Und das Publikum hat das schon immer zu schätzen gewusst. Ihre eigene Geschichte mit dem Durchbruch bei «Deutschland sucht den Superstar» steht eben auch dafür, für den eigenen Traum alles zu wagen, volles Risiko zu gehen. «Es könnte ja sogar gut herauskommen», lacht sie ins Publikum.
Obwohl Beatrice Egli im KKL ihre bekannten Schlager wie «Immer wieder tun», «Wir leben laut», «Volles Risiko», «Du, du, du» oder «Mutausbruch» darbietet, ist alles anders: Erstmals wird sie von einem Orchester begleitet, dem 21st Century Orchestra unter der Leitung von Ludwig Wicki. Man durfte im Vorfeld sehr gespannt sein, wie das funktionieren würde.
Und tatsächlich tut es das gut. Zwar stimmt die Affiche «Schlager trifft Klassik» eigentlich nicht: Nur weil ein Orchester spielt, ist es noch nicht klassische Musik. Vielmehr lässt sich das 21st Century Orchestra gekonnt auf das Schlagergenre ein. Vergleicht man die Konstellation etwa mit dem Konzert, das US-Popstar Anastacia im April im KKL mit dem City Light Symphony Orchestra gegeben hat, klingt das Ganze mit Beatrice Egli fast besser. Bei Anastacia hätte man sich an vielen Stellen gewünscht, dass ihre gewaltige Stimme exponierter zu hören gewesen wäre. Beatrice Egli hingegen kommt voll eingebettet in den Orchestersound schön zur Geltung.
Der gegenseitige Respekt beeindruckt
Beeindruckend ist auch, mit welch offensichtlichem Respekt Schlagersängerin und Orchester miteinander umgehen. Egli weiss natürlich, welch musikalisches Kaliber sie unterstützt. Aber auch beim 21st Century Orchestra lässt man nie erkennen, dass man wohl schon schwierigere Aufgaben gehabt hat. Dass das verfügbare musikalische Arbeitsmaterial überschaubar ist.
So klingen nicht nur die Arrangements toll, sondern das Orchester lässt sich voll auf den Schwung der Songs ein und vermittelt auf diese Weise selber eine Botschaft, die perfekt zu Beatrice Egli passt: «Es ist völlig egal, welche Art Musik du machst. Oder was du überhaupt im Leben treibst. Wichtig sind deine Begeisterung und deine Bereitschaft, dafür vollen Einsatz zu geben.»
Und dann gibt es im Konzert noch den Moment, an dem sich musikalisch etwas verändert. Man merkt es schon beim Orchesterintro. Beatrice Egli singt den Mundartsong «Chliini Händ» («Schritt für Schritt»). Dass sie auch auf Schweizerdeutsch toll klingt, beweist sie bei einigen Liedern. Aber dieses hat für sie eine besondere Bedeutung, wie sie selbst sagt, wieder mit Bezug auf den eigenen Lebensweg. Und dann auf die zweite Strophe – welch magischer Augenblick – betritt er selbst die Bühne: Kunz. Und singt mit Beatrice Egli sein Lied. Ihre Botschaft findet Anklang Das Publikum ist hin und weg. Insgesamt ist die Stimmung ohnehin bestens. Sicher tragen die teils gut erkennbaren Fans von Beatrice Egli dazu bei. Das übrige Publikum, das vielleicht eher wegen des Orchesters gekommen ist, lässt sich aber mitreissen und nimmt auch die Ausführungen von Beatrice Egli über ihre bekannten Themen wohlwollend zur Kenntnis. Nur ihre Aufforderung, man möge die geliebte Person, die einen ans Konzert begleitet hat, umarmen, sorgt für Heiterkeit im Saal. Am Ende werden Sängerin und Orchester verdientermassen gefeiert. Und damit auch die Botschaften, die Beatrice Egli vermittelt. Insofern feiern gerade auch die Fans sich ein wenig selbst. Denn Egli lässt sie offenen Herzens teilhaben an ihrem Weg und ihrem Erfolg. Was wiederum wohl ihr wichtigstes Erfolgsrezept ist.
© Arno Renggli


















































































