21st Century Orchestra
Die Filmmusik erobert das KKL zurück
Medienbericht / 15. November 2021Luzerner Zeitung

Die Filmmusik erobert das KKL zurück

Lange mussten sich die Fans gedulden. Mit einem eindrücklichen Spektakel meldet sich das 21st Century Orchestra und Chorus zurück.

Die ersten Töne erklingen, und man taucht ein in die Welt der Abenteuer und Romanzen. In Universen, wo der Gute noch der Gute ist und die Bösen so richtig auf den Deckel bekommen. Zwar hatten das 21st Century Orchestra mit dem Kabarettisten Emil einen Auftritt im September. Doch so richtig lanciert wird die Filmmusiksaison erst mit den Konzerten dieses Wochenendes. Letztes Jahr bereits zweimal programmiert, können sie endlich stattfinden. Ein Grosserfolg: Am Freitag wie am Samstag ist der KKL-Saal voll.

Die Musikerinnen und Musikern und vor allem auch Dirigent Ludwig Wicki sprühen vor Konzertlust. Die Programmierung lässt nichts anbrennen, setzt auf die altbewährten Filmmusikkomponisten John Williams und Hans Zimmer. Doch viele Stücke werfen neue Lichter auf das Schaffen der beiden Soundgiganten.

Raffinierter und symphonischer

Da ist zum Beispiel das Eröffnungsduo aus den «Star Wars»- Filmen «Solo» und «Die Rache der Sith» (Williams). Was sofort auffällt: Das 21st Century Orchester spielt differenzierter, ja raffinierter als vor einigen Jahren. Der Sound ist schlanker und symphonisch, die Klangbalance ausgeglichener. Die Trompeten bleiben auch in den lautesten Stellen in den Gesamtton eingebettet. Die Holzbläserinnen und -bläser setzen immer wieder individuelle Feuerwerke.

Die Soloflöte in «Witches, Wands And Wizards» («Harry Potter und der Gefangene von Askaban», Williams) spielt die verrückten Zaubereien grossartig. Die vertrackten Rhythmen in Perkussion, Streichern, ja im ganzen Orchester werden präzise und leichtlebig umgesetzt. Zusammen mit dem weiten Bogen und den langen Steigerungen, die Ludwig Wicki über die Interpretationen legt, fühlt man sich auch ohne Film im Kino. Schnell wechselt er Stimmung und Tönungen.

In der symphonischen Suite «Dead Man’s Chest» (aus «Fluch der Karibik», Zimmer) beginnt es düster und schattenreich, geht über in das schlendernde Thema von Kapitän Jack Sparrow mit dem jazzigen Cellosolo. Die geheimnisvoll hämmernde Perkussion übernimmt, immer voller wird das Geschehen, die Waldhörner ziehen in die Höhe, bis es mit Orgel und Chor in der Spitze explodiert. Der 21st Century Chorus zeigt sein grosses, rundes Volumen in «Interstellar» (Zimmer). Witzig und agil gestalten sie das flimmernde «Double Trouble», ebenfalls aus «Harry Potter».

Stormtroopers auf der Bühne

Interessant ist der ständige Wechsel zwischen dem 89-jährigen Altmeister John Williams und Hans Zimmer. Der 25 Jahre jüngere Zimmer setzt stark auf repetitive Elemente. Dies erzeugt teils grossartige Spannung, wie in der «Interstellar Suite». In «The Da Vinci Code» hingegen sind die eintönigen Akkorde ohne Film etwas langweilig und münden in ein Finale, das zu viel Zucker hat.

John Williams, ganz dem klassischen Orchester verpflichtet, bietet deutlich mehr Abwechslung. Seine Steigerungen gehen einher mit raffinierten Klangvariationen und verspielten Bläsereinwürfen, wie etwa im «Flying Theme» von «E.T.». Die Zugabe ist «At World’s End» aus dem dritten Film von «Fluch der Karibik». Als bei der zweiten Zugabe «Imperial March» die dunklen Mächte – verkleidet als Darth Vader, Count Dooku und ein paar Stormtroopers – persönlich auf die Bühne spazieren, hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

Chaplin, «Sissi» und eine Silvesterkonzert

Bald stehen auch die ersten grossen Filmaufführungen auf dem Programm. Am nächsten Freitag spielt das 21st Century Orchestra in der Kirche Bruder Klaus in Emmenbrücke. Die dortige Pfarrei feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum unter dem Motto «füreinander-miteinander».

Was wäre da besser geeignet als Charlie Chaplins Filmmeisterwerk «Goldrausch» aus dem Jahre 1925. Das Stummfilmdrama lotet in starken Bildern die Ränder der menschlichen Existenz aus. Neben der Premiere vom zweiten «Star Wars»-Film («Das Imperium schlägt zurück») im Dezember und der dritten «Harry-Potter»-Verfilmung («Der Gefangene von Askaban») im Mai, sticht bei den integralen Filmmusikaufführungen vor allem «Sissi» heraus. Ein europäischer Filmklassiker mit der unvergesslichen Romy Schneider in der Titelrolle.

Auch nimmt das 21st Century Orchestra eine alte «Tradition» wieder auf, das Silvesterkonzert. Wie schon vor 11 Jahren wird der ehemalige Schweizer Fernsehmoderator Stephan Klapproth durch das Programm führen.

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